Kältetod für Flüchtlinge in Europa

40 Menschen, darunter mehrere Flüchtlinge und Migranten, sind der aktuellen arktischen Kältewelle in Europa schon zum Opfer gefallen.
Winter has hit with full force in Greece with sub-zero temperatures and snowfall. Some refugees and migrants are forced to live in old warehouses and tents without access to proper heating.

Spenden Sie jetzt für Kinder auf der Flucht

Die Kälte auf der Fluchtroute über Griechenland und den Balkan ist besonders für Kinder lebensbedrohlich. Viele leben in schlecht ausgestatteten Flüchtlingscamps, unbeheizten Gebäuden oder auf der Strasse.

Save the Children warnt, dass Dutzende weitere Menschen, insbesondere Kinder und auch neugeborene Babys, auf der Flucht zu Tode frieren werden, wenn die europäischen Länder nicht sofort handeln.

In Belgrad, Serbien, leben Hunderte unbegleitete Flüchtlingskinder – manche von ihnen gerade einmal zehn Jahre alt – in leerstehenden Lagerhallen, die weder Fenster noch Heizungen haben. Sie schlafen auf dem Boden und versuchen sich aufzuwärmen, indem sie drinnen Feuer entfachen. Somit steigt auch die Gefahr nicht kontrollierter Brände. Die meisten dieser Kinder haben nicht einmal Handschuhe oder warme Schuhe, viele leiden bereits an Erfrierungen. Auch die sanitären und hygienischen Bedingungen sind prekär.

Erste Todesopfer aus Irak, Afghanistan & Somalia

Im Norden Griechenlands erfror ein Flüchtling aus Afghanistan bei Temperaturen von -14°C. Das bulgarische Innenministerium berichtet derweil, die gefrorene Leiche einer Frau aus Somalia an der südlichen Grenze entdeckt zu haben. Medienberichten zufolge wurden am Freitag letzter Woche ausserdem zwei zu Tode erfrorene Männer aus dem Irak in einem Waldstück im Süden Bulgariens gefunden.

Ömer Güven, Geschäftsführer von Save the Children Schweiz, sagt: «Europa lässt Menschen, darunter unbegleitete Kinder, die auf der Flucht vor Krieg und Gewalt verzweifelt Schutz suchen, buchstäblich im Schnee stehen. Der fehlende politische Willen, diesen Menschen sichere und legale Routen nach Europa zu ermöglichen und die Wiedervereinigung von unbegleiteten Kindern mit ihren Familien voranzutreiben, führt jetzt unmittelbar zum Kältetod von Flüchtlingen in Europa. Wir fordern, dass alle Flüchtlinge und Migranten sofort Zugang zu angemessener Unterbringung erhalten. Nur so können wir weitere unnötige Todesfälle – auch von Kindern – verhindern.»

Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei hindert unter anderem 16.000 Menschen, die weiterhin auf den griechischen Inseln feststecken, an ihrer Weiterreise. Die meisten von ihnen leben bei Minustemperaturen in unbeheizten Zelten im Freien, die zum Teil bereits unter dem Schnee zusammenbrechen. Im Moria Lager auf der Insel Lesbos leben 4.000 Menschen zusammengepfercht in einer Unterkunft, die eigentlich nur für 2.000 ausgelegt wäre, und das seit Monaten.

Die Situation auf dem griechischen Festland ist nur wenig besser. Hier leben Tausende Asylsuchende in unbeheizten Lagerhallen. Der Asylprozess in Griechenland muss dringend beschleunigt und die Umsiedlung von Flüchtlingen auf andere europäische Länder ermöglicht werden, um die prekäre humanitäre Situation in den griechischen Camps zu entschärfen.

Ömer Güven fährt fort: «Letztes Jahr versanken die Zelte im informellen Camp Idomeni, an der griechischen Grenze zu Mazedonien, im Schlamm. Heute versinken die Zelte in den ‚formellen‘ Lagern der griechischen Behörden im Schnee. Und trotzdem kommen immer noch Menschen in Griechenland und auf dem Balkan an. Weil die Zustände in ihren Heimatländern noch verzweifelter sind, als aktuell im Südosten Europas.»

Unsere Arbeit
Save the Children arbeitet direkt oder durch Partnerorganisationen in Griechenland, Mazedonien, Serbien und Kroatien. Wir verteilen unter anderem Hilfsgüter wie zum Beispiel warme Winterkleider für Babys. Wir versorgen schwangere Frauen und junge Mütter und helfen ihnen, ihre Neugeborenen angemessen zu ernähren. Wir betreiben Unterkünfte für unbegleitete Kinder, die darauf warten, umgesiedelt oder mit ihren Familienmitgliedern in anderen europäischen Ländern zusammengeführt zu werden. Ausserdem leisten wir in kinderfreundlichen Räumen psychosoziale Unterstützung, um die Kinder in ihren Bewältigungsmechanismen zu unterstützen und um ihnen zu helfen, erlebte Traumata zu verarbeiten.


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