Mosul: 350.000 Kinder unter Belagerung

Über 350.000 Kinder sitzen in Mosul, der umkämpften Stadt im Irak, fest. Es gibt kaum mehr Essen, Medizin und Brennstoff zum Heizen.

21.02.2017

Die nordirakische Stadt Mosul sowie umliegende Gebiete befinden sich seit Sommer 2014 in den Händen des sogenannten Islamischen Staates (IS). Die irakische Armee rückt immer weiter in die vom IS gehaltenen Gebiete vor und hat nun ihre grosse Offensive auf den Kern der Stadt gestartet. Seit über zwei Monaten sind die Handelsrouten nach Mosul abgeschnitten und wichtige Brücken zerstört.
 
Noch immer sitzen 750.000 Zivilisten unter Belagerung im Westen der Stadt fest – darunter 350.000 Kinder. Sie sind ausser Reichweite für Hilfsorganisationen und haben kaum mehr Nahrung, Medizin und Brennstoff zum Heizen.
 
Bei Flucht drohen Hinrichtungen & Scharfschützen des IS

Maurizio Crivallero, Save the Children Länderdirektor im Irak, sagt: «Ungefähr 350.000 Kinder sitzen in West-Mosul fest. Die Kämpfe in diesem dicht besiedelten Stadtteil mit seinen engen Gassen werden für die Zivilisten wohl tödlicher als alles, was wir in diesem Konflikt bisher gesehen haben.»

«Familien im Westen Mosuls erzählen uns, dass sie nicht fliehen können. Wenn sie es versuchen, laufen sie Gefahr, vom IS hingerichtet zu werden oder ins Kreuzfeuer von Scharfschützen und Landminen zu geraten. Letzte Woche hörten wir von einer neunköpfigen Familie, die versuchte, zu fliehen – und die allesamt erschossen wurden. Die Menschen sind in ihren Häusern gefangen, ihnen gehen Nahrung, Wasser und Medikamente aus.»

«Die Kinder in West-Mosul stehen vor einer makaberen Wahl: Bomben, Feuergefechte und Hunger, wenn sie bleiben - oder Hinrichtung und Scharfschützen, falls sie versuchen zu fliehen.»

«Die irakische Armee und ihre Verbündeten, darunter auch die USA und Grossbritannien, müssen alles dafür tun, um Kinder und ihre Familien zu schützen, und um Angriffe auf zivile Infrastruktur wie Schulen und Spitäler zu verhindern. Für ein Kind ist es egal, wer eine Bombe abgeworfen hat – alles was zählt, ist wo sie einschlägt.»

«Sichere Fluchtkorridore für Zivilisten müssen so schnell wie möglich errichtet werden. Sobald Familien es aus der Stadt geschafft haben, können wir sie mit lebensrettender Hilfe versorgen und sie dabei unterstützen, ihr Leben nach mehr als zwei Jahren unter der Herrschaft des IS wieder aufzubauen.»

Hier können Sie unsere Arbeit für Kinder auf der Flucht – auch im Irak – mit einer Spende unterstützen.