Jede Minute wird im Jemen ein Kind mit Cholera infiziert

Eine Cholera-Epidemie im Jemen gerät ausser Kontrolle. Jeden Tag sterben 30 Menschen – darunter viele Kinder.

14.06.2017
Von der Epidemie besonders gefährdet: Die zwei Millionen mangelernährten Kinder im Land. Schuld sind auch Verzögerungen bei Hilfslieferungen.

Jemens Gesundheitsinfrastruktur liegt am Boden. Den Spitälern gehen die Medikamente aus. Viele wurden im Krieg angegriffen und sind nicht mehr voll funktionsfähig. Die Cholera-Infektionsrate hat sich in den letzten zwei Wochen mehr als verdreifacht – das Land leidet jetzt unter einer ausgewachsenen Epidemie.

Dabei wäre die Behandlung von Cholera einfach und kostengünstig. Viele Menschen schaffen es erst gar nicht ins Krankenhaus: Steigende Benzinpreise machen den Transport gerade für Familien aus abgelegenen Regionen unerschwinglich.

«Hilfslieferungen werden verzögert»

Saleh, 53, erzählt: «Zuerst brachte ich meine Kinder in ein Krankenhaus in Abs [Hajjah Provinz]. Dort bekamen sie ein paar Tabletten und Flüssigkeiten. Aber wir durften nicht mal ins Krankenhaus rein, weil so viele kranke Menschen dort waren. Also sind wir nach Sana’a gefahren, mehr als 200 km entfernt. Ich musste 58 $ für die Fahrt von meinem Dorf nach Abs bezahlen. Und dann nochmal 78 $ nach Sana’a.»

Grant Pritchard, Länderdirektor von Save the Children im Jemen, sagt: «Im Jemen sterben täglich Kinder, weil sie keinen Zugang zu lebensrettender Gesundheitsversorgung haben. Mitschuld daran tragen auch die Hürden, Hilfsgüter ins Land zu bringen. Unsere Hilfslieferungen werden zum Teil bis zu drei Monate verzögert! Das ist absolut inakzeptabel.»