Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer

Seit 2016 ist Save The Children mit dem Rettungsschiff „Vos Hestia“ auf dem Mittelmeer im Einsatz, um in Seenot geratene Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. In jüngster Zeit sind in den Medien grundsätzliche Fragen zu den Rettungsaktionen der Hilfsorganisationen aufgetaucht, die wir an dieser Stelle beantworten

10.08.2017

Wir retten Menschen

Wir bewahren Menschen vor dem Ertrinken, und wenn wir mit unserer Arbeit aufhören würden, würde das lediglich zu mehr Toten führen. Das war 2014 der Fall, als die EU die Gelder für Rettungsmissionen kürzte. Such- und Rettungsmissionen führen nicht dazu, dass mehr Menschen die Überfahrt über das Meer wagen. Es bedeutet lediglich, dass mehr Menschen diese Überfahrt überleben. Eine Studie der Oxford University belegt, dass die Zahl der Überquerungsversuche mit und ohne Rettungsmissionen ungefähr gleich hoch blieb. Doch die Zahl der Todesfälle war dann am höchsten, als die Zahl der Rettungsmissionen besonders niedrig war.
 
Mit den Schleppern verbundenes Elend

Aus gutem Grund kommunizieren wir nicht mit Schleppern. Wir arbeiten unter der Leitung der italienischen Küstenwache und reagieren auf Notrufe, wenn wir dazu aufgefordert werden. Unser einziges Ziel ist es, das Leben von Menschen – und vor allem von Kindern – zu retten, die vor Gewalt, Verfolgung und extremer Armut fliehen. Die Schlepper benutzten die gleichen, gefährlichen Routen und in der Folge kam es 2015 zu mehreren schrecklichen Schiffsunglücken. Bei einem einzigen solchen Unglück starben damals rund 800 Menschen.
 
Sicherheit gewährleisten

Die italienischen Behörden überprüfen und registrieren jeden, den wir retten. Alle sicherheitsbezogenen Aspekte sind Aufgabe der Behörden. Nach einer Rettungsaktion verfassen wir einen ausführlichen Bericht, aus dem die genaue Anzahl der Geretteten hervorgeht. Wenn unser Schiff das italienische Festland erreicht, werden diese Angaben von der italienischen Küstenwache genau überprüft.
 
Kinder retten und schützen

Immer mehr Kinder treten den gefährlichen Weg über das Mittelmeer an. Die Zahl stieg im Jahr 2016 um 76%. Die Zahl der unbegleiteten Kinder verdoppelte sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr. Kein Kind sollte auf der Suche nach einer besseren Zukunft ertrinken. Wir arbeiten in den Ländern, aus denen die Kinder fliehen, und erklären ihnen die Gefahren dieser Fluchtroute. Insgesamt sind 94% der Kinder, die über die Mittelmeer-Route nach Italien kommen, alleine unterwegs. Sie brauchen dringend Schutz, denn sie sind besonders gefährdet durch Menschenhandel, Missbrauch und Ausbeutung.
 
Der Rückweg ist abgeschnitten, die Rückschaffung keine Alternative

Libyen kann nicht als sicherer Ort angesehen werden. Wenn Flüchtlinge nach Libyen zurückgeschickt werden, sind sie der Gefahr ausgesetzt, inhaftiert zu werden. Die Zustände in den Gefängnissen werden allgemein als unmenschlich angesehen. Es gibt Berichte, in denen Menschen davon erzählen, dass sie geschlagen, ausgepeitscht und an Bäumen aufgehängt wurden.
 
Wir haben unzählige Berichte von Frauen und Kindern gehört, die körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Familien werden gewaltsam in die Länder zurückgeschickt, aus denen sie vor Verfolgung, Krieg, Vergewaltigung, Folter und Ausbeutung flohen.
Wenn sie das Mittelmeer erreichen, haben viele Kinder bereits unvorstellbare Grausamkeiten erlebt. Viele sind verletzt oder traumatisiert und brauchen dringend Unterstützung. Diese Unterstützung können sie in Libyen nicht bekommen.

Der Verhaltenskodex für Rettungsschiffe im Mittelmeer

Wir sind und bleiben der Rettung von Geflüchteten auf dem Meer verpflichtet, insbesondere den Kindern unter ihnen. Aus diesem Grund haben wir auch den von der italienischen Regierung vorgestellten Verhaltenskodex unterschrieben. Unser Ziel ist es, unsere lebensrettende Arbeit auf dem Mittelmeer fortführen zu können. Kein Punkt des „Code of Conduct“ schränkt unsere Rettungsaktivitäten ein. Die Vereinbarung fasst vielmehr in Worte, was wir im Wesentlichen bereits vorher praktiziert haben.
 
Save The Children hat eine Ergänzung im Verhaltenskodex ausgehandelt, die gewährleistet, dass an Bord unseres Schiffes unsere eigenen Sicherheitsbestimmungen gelten.
 
Gleichzeitig bitten wir andere europäische Länder darum, Italien dabei zu unterstützen, Menschen auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken zu bewahren. Wir hoffen, dass unsere guten Arbeitsbeziehungen zu den italienischen Behörden und anderen Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer fortbestehen und dass die jüngsten Vorfälle keine negativen Auswirkungen auf die Rettungsaktivitäten im Mittelmeer haben werden.
 
Save the Children wird in jüngsten Medienberichten mit der Behauptung konfrontiert, dass sich verdeckte Ermittler an Bord der Vos Hestia, unserem Such- und Rettungsschiff auf dem Mittelmeer, befanden. Wir sind über diese Berichte schockiert und zutiefst besorgt.

Als unabhängige Nichtregierungsorganisation verschreiben wir uns stets bewährten, humanitären Prinzipien und haben daher zu keiner Zeit eine verdeckte Informationsbeschaffung an Bord unseres Rettungsschiffes gestattet.
 
Die Medienberichte beziehen sich auf externes Sicherheitspersonal, das von der Verwaltungsgesellschaft der Vos Hestia angeheuert wurde. Die Vos Hestia wird seit 2016 als Rettungsschiff von Save the Children gechartert. Das betreffende Sicherheitspersonal ist nicht Teil des humanitären Teams von Save the Children, das aus Ärzten, Krankenschwestern, Kinderschutzexperten, Kulturvermittlern und Rechtsberatern besteht.
 
Wir nehmen diese Vorwürfe sehr ernst und unterziehen die Vorfälle und unsere internen Schutz-und Sicherheitsmassnahmen einer eingehenden Überprüfung.