Über 150’000 Rohingyakinder von Mangelernährung bedroht

Save the Children warnt eindringlich vor einer Hungerkrise in Bangladeschs Cox’s Bazar Distrikt.
Die aus Myanmar geflüchteten Kinder, Frauen und Männer sind vor äusserst prekäre Verhältnisse gestellt.

05.10.2017
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Über eine halbe Million Rohingya haben in den letzten sechs Wochen die Grenze von Myanmar her überschritten. Sie sind vor Gewalt und Blutvergiessen in ihrem Heimatland geflohen.

Gegen 300’000 Rohingya befinden sich in allergrösster Not und bedürfen dringend Nahrungshilfe, damit der drohenden Unterernährung Einhalt geboten werden kann. Betroffen sind insbesondere auch rund 150'000 Kinder unter fünf Jahren und über 50'000 schwangere oder stillende Mütter. Mindestens 14'000 neu eingetroffenen Rohingyakinder leiden unter akuter Unterernährung.

«Wir sind mit einer erscheckend hohen Zahl von Kindern konfrontiert, die aus der Provinz Nord-Rakhine in Myanmar geflüchtet sind. Sie sind hier in den notdürftig improvisierten Lagern absolut harschen Bedingungen ausgesetzt. Es fehlt an allem: es ist unhygienisch, überall ist verschmutztes, ansteckendes Wasser und zum Überleben sind die geflüchteten Menschen vollständig auf Notrationen angewiesen», sagt der Direktor der Nothilfegesundheitstemas von Save the Children, Dr. Unni Krishnan.

Hohes Risiko für eine Epidemie

«Zudem sind sie nicht nur von Unterernährung bedroht, sondern wegen verschmutzem Wasser höchster Ansteckungsgefahr ausgesetzt: Cholera und andere ansteckende Krankheiten sind für Kinder absolut lebensbedrohlich, die Gefahr einer Epidemie ist enorm. In 20 Jahren humanitärer Arbeit habe ich noch nie eine Situation erlebt, in der sich Menschen in einer derart prekären Lage befinden und in so hohem Ausmass auf ganz grundlegende Überlebenshilfe angewiesen waren. Besonders in Sorge bin ich wegen der Gesundheit der allerjüngsten Rohingyakinder, kein einziges Kind sollte so etwas erleben müssen», unterstreicht Krishnan.

Seit dem 25. August sind über 500’000 Rohingya nach Cox’s Bazar geflohen, nachdem in Nord Rakhine ein brutaler Konflikt ausgebrochen ist. Ganze Dörfer wurden niedergebrannt, Menschen beschossen und Frauen vergewaltigt.

Unter ihnen ist auch Fatima. Sie ist mit ihren drei Kindern geflohen, nachdem ihr Mann in ihrem Dorf umgebracht wurde. «Ich habe seit Tagen nicht gegessen –  es gibt kaum Nahrung, mein jüngster Sohn ist blass und schwach geworden und er war dem Tode nahe, nachdem er solange nicht hat essen können», schildert sie ihre Ohnmacht.

Mehr als nur blosse Nahrung

Fatima und ihre Kinder haben von Save the Children nun eine Nahrungsration für 15 Tage erhalten. «Das Einzige was ich bisher manchmal erhalten konnte, waren gelegentlich Linsen. Heute habe ich Reis dazu, Öl und was es sonst noch alles braucht», freut sich Fatima.

Save the Children stockt sein Hilfsprogram auf und hat mit seinen Nothilfeteams auch Ernährungsexperten aufgeboten. Neun Gesundheits- und Ernährungsteams unterstützen stillende Mütter, behandeln Mangelernährung und leisten medizinische Nothilfe sowie psychosoziale Unterstützung. Der Einsatz ist eng mit dem Gesundheitsministerium und anderen Hilfsorganisationen koordiniert.

«Eine weitere Herausforderung ist, dass die Mütter das Zutrauen in das Stillen verlieren, weil die Situation in den überfüllten Lagern wegen der mangelnden Privatsphäre Stress verursacht. Dies verhindert den nachhaltigsten Immunschutz, den es für Neugeborene gibt, in solchen Notsituationen ist Stillen aus gesundheitlicher Sicht ganz besonders wichtig und wertvoll», führt Krishnan weiter aus.

Save the Children hat seine Nothilfe intensiviert und wird sie weiter aufstocken. Sie besteht aus Nahrung, Hygieneartikeln wie Seifen und Eimer, Küchengeräten und Zeltplanen zum Schutz. Insgesamt soll künftig rund 190’000 Menschen so geholfen werden.