Massenflucht in Syrien – Täglich versuchen 7.000 Menschen der Gewalt in Idlib zu entkommen

7.000 Menschen fliehen derzeit täglich aus dem umkämpften Süden der syrischen Provinz Idlib. Innerhalb weniger Wochen haben sich bereits 200.000 auf den Weg gen Norden gemacht, um der Gewalt zu entkommen, rund 54 Prozent von ihnen sind Kinder. Das ist eine der grössten Fluchtbewegungen in Syrien seit dem Beginn des Konfliktes vor fast sieben Jahren.
Kinder in einem behelfsmässigen Camp im Südwesten von Idlib.

18.01.2018

Das Ausmass der Gewalt ist erschreckend: Luft- und Raketenangriffe haben Wohn- und Krankenhäuser dem Erdboden gleichgemacht, hunderte Schulen sind geschlossen. Etliche verzweifelte Menschen hausen in eisigen Temperatur im Freien oder in verlassenen Häusern. Die Angriffe kommen von allen Seiten, vielerorts sind Bewohner regelrecht eingekesselt.

Partnerorganisationen von Save the Children schätzen, dass Zehntausende weitere Menschen fliehen werden, während die Kämpfe sich immer weiter nach Idlib verlagern. Zivile Einrichtungen sind weiterhin unter Beschuss, Berichte sprechen von Bombenangriffen auf sieben Schulen und 12 Krankenhäuser sowie andere Gesundheitseinrichtungen. Ein Drittel aller Schulen in Idlib – 500 an der Zahl – mussten schliessen, darunter auch mehrere, die von Save the Children unterstützt werden.

Die Gewalt trifft viele Menschen, die bereits zuvor vor Gewalt geflohen sind. Idlib hat rund eine Million Flüchtlinge aufgenommen, die aus Aleppo und anderen Kriegsgebieten geflohen waren. Zudem trifft es viele Rückkehrer, die zuvor etwa in die Türkei oder den Libanon geflohen waren.

In der Deeskalations-Zone

Und das alles, obwohl Idlib im vergangenen Mai durch eine Vereinbarung zwischen dem syrischen Regierung, Iran, der Türkei und Russland zur „Deeskalations-Zone“ erklärt wurde. Davor galt das Gebiet als Oppositionshochburg.

Sonia Khush, Direktorin von Save the Children Syrien, sagt: „Was wir hier erleben ist der blanke Horror und ein klares Zeichen, dass der Syrienkonflikt weit davon entfernt ist gelöst zu werden. Millionen von Menschen sind weiterhin in einer Kriegszone mit regelmässigen Bomben- und Raketenangriffen gefangen. In Idlib gibt es mittlerweile nicht mehr genügend Zufluchtsorte, Nahrung, Wasser und Medizin, und die Infrastuktur wird von Tag zu Tag weiter zunichte gemacht. Die Kämpfe müssen beendet und uneingeschränkter Zugang für Humanitäre Hilfe muss gewährleistet werden, so dass vor allem Kinder Unterstützung bekommen und wieder zur Schule gehen können.“ 

Unsere Arbeit

Save the Children arbeitet zusammen mit syrischen den Partnerorganisationen Shafak, Violet und Syria Relief, um Neuankömmlinge mit dem Nötigsten zu versorgen – unter anderem mit Nahrung, Planen für Zelte, Decken, Seife und Solarlampen. Der Bedarf ist aber so riesig, dass er derzeit bei Weitem nicht gedeckt werden kann. Weitere Finanzierung ist dringend benötigt, um Tausenden weiteren Menschen helfen zu können.