Japan – ein Jahr danach. Der Wiederaufbau aus der Perspektive der Kinder.

11'000 Kinder befragte Save the Children nach der Tsunamikatastrophe zu ihren Bedürfnissen beim Wiederaufbau. Ihre Hauptanliegen: Sie wollen den Aufbauprozesses mitgestalten und einen sicheren Platz zum Spielen.

11.03.2012
Am 11. März 2011 um 14:15 Uhr Ortszeit wurde Japan von einem der stärksten je gemessenen Erdbeben erschüttert. 30 Minuten später wälzte sich ein gigantischer Tsunami über die Nordostküste und zerstörte den gesamten Landstrich. Heute, ein Jahr nach der Katastrophe, leben über 300'000 Menschen noch immer in temporären Unterkünften.

Kinder zählen zu den von der Katastrophe am schlimmsten Betroffenen. Viele haben Eltern, Freunde und Lehrer verloren, ihr Zuhause und ihre Schule wurden zerstört. Obschon Kinder stark unter den Folgen des Tsunamis leiden, wurden sie beim Wiederaufbauprozess kaum miteinbezogen und ihnen keine Rolle bei der Neugestaltung des eigenen Lebens zugestanden.

Save the Children setzt als Teil seines 5-Jahres Programms in Japan den Fokus auf die Partizipation der Kinder beim Wiederaufbauprozess und verleiht ihren Anliegen eine Stimme. Im Rahmen dieses Programms wurden in der Studie «Hear our Voice» (dt. Hört unsere Stimme) über 11'000 Kinder befragt. Beinahe 90 Prozent der Kinder gaben an, eine aktive Rolle beim Wiederaufbau übernehmen zu wollen. Wie eine Siebtklässlerin es ausdrückte: „Ich möchte, dass auch die Meinung der Kinder gehört wird und nicht immer nur die Erwachsenen alle Entscheidungen treffen.“

Die Studienverantwortlichen von Save the Children fragten die Kinder zudem, was sie für sie das Wichtigste beim Wiederaufbau für die eigene Gemeinde ist. In Anbetracht weitgehend zerstörten Spielflächen betonten die Kinder, dass sie sich sichere Plätze zum Spielen wünschen, wo sie Zeit mit Freunden verbringen können. Wie wichtig diese sicheren Spielzonen für Kinder sind, bekräftigen auch die Experten von Save the Children. Denn solche Orte bieten Kindern die Möglichkeit, ein Gefühl der Normalität zurückzuerlangen – etwas, was sie nach dem extremen Stress durch das Erdbeben, den Tsunami und die nukleare Bedrohung dringend nötig haben. Die Ideen der Kinder zur Gestaltung der Spielzonen reichten von der Errichtung von Schaukeln in Parks, dem Bau von Baseballfeldern bis zum Vorschlag, auf noch vorhandenen Rutschbahnen kürzere Stufen zu bauen, damit auch kleinere Kinder darauf spielen können.

Die Worte der elfjährigen Rioppe aus der Küstenstadt Kamaishi verdeutlichen die aktuelle Situation der Kinder in den zerstörten Gebieten: „Ich hätte so gerne einen Spielplatz, besonders einen, der sicher ist. Ich wünsche mir einen Spielplatz, auf dem keine spitzen und scharfen Gegenstände rumliegen und der nicht auf Beton gebaut ist. Wenn ich auf Beton umfalle, tue ich mir schnell weh.“

Im Rahmen des eigenen Aufbauprogramms in Japan errichtet Save the Children von Kindern geführte Clubs. Diese Kinderclubs werden in den von der Naturkatastrophe am heftigsten gebeutelten Gebieten errichtet; dort, wo Parkanlagen und Spielplätze entweder vollständig zerstört wurden oder derzeit für temporäre Unterkünfte genutzt werden.

Mit der Hilfe von Save the Children konnten die Kinder in den Clubs ihre eigenen Ideen für den Wiederaufbau ihrer Gemeinde entwickeln und diese den örtlichen Behörden vorstellen. Eine Gruppe reiste sogar nach Tokio und präsentierte dort dem Japanischen Ministerpräsidenten ihre Vorschläge für die kürzlich gegründete Gesellschaft für Wiederaufbau.



Die Tsunamikatastrophe in Zahlen

Unmittelbare Auswirkungen
387'000 Menschen haben als Folge der Katastrophe ihr Zuhause verloren
15'845 Menschen starben
1'567 Kinder haben beide Elternteile verloren
7'524 Schulen wurden zerstört

Situation heute
25'751 Anzahl Kinder, die heute eine neue Schule besuchen
337'819 Anzahl Menschen, die noch immer in temporären Unterkünften wohnen

Auszug der Erfolge von Save the Children bis heute
11'829 Kinder wurden durch unsere Programme zum Schutz von Kindern erreicht
21'342 Kinder erhielten Unterstützung durch Schulspeisung
29'680 Kinder wurden durch das von uns unterstützte Programm einer mobilen Bibliothek erreicht