Je länger der Krieg im Jemen dauert, desto mehr Kinder werden sterben

Jemenitische Mädchen und Jungen wenden sich verzweifelt an die Öffentlichkeit: "Wir appellieren an die Welt, an alle wichtigen Entscheidungsträger: denkt an uns, bevor ihr einen Krieg führt."
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26.03.2018

Die Lage in Jemen ist desaströs, die Kinder sind verzweifelt: „Wir, die Kinder im Jemen, kämpfen ums Überleben. Wenn wir schlafen gehen, hören wir Kampfjets und Schüsse. Wenn wir aufwachen, sehen wir Zerstörung. Doch wir sind unschuldig, wir spielen keine Rolle in diesem Krieg, wir haben uns nicht schuldig gemacht. Wir können nicht zur Schule gehen, denn unsere Schulen sind zerstört."   

Uns werden unsere Rechte auf Bildung, Gesundheit und das Leben genommen. Je länger der Krieg andauert, desto mehr Kinder werden sterben. Epidemien werden sich ausbreiten, denn es fehlen Medikamente und Impfstoffe. Wir müssen arbeiten, nur um zu Essen zu haben. Wir sind tieftraurig für unser Land, unsere Familien, unsere Freunde. 

Wir appellieren an die Welt, an alle wichtigen Entscheidungsträger: Denkt an uns, bevor ihr einen Krieg führt. Wir fordern die Weltgemeinschaft auf, fünf Dinge für uns zu tun:
  1. Helft, den Krieg zu beenden und die Rechte der Kinder zu schützen.
  2. Ermittelt und überwacht die schwersten Vergehen an Kindern.
  3. Macht es möglich, dass wir lernen können und unsere Schulen wiederaufgebaut werden.
  4. Versorgt die Gesundheitszentren mit Medikamenten und repariert die Krankenhäuser, damit Kranke und Verwundete behandelt werden können.
  5. Schützt die Kinder, die alles verloren haben, und gebt ihnen emotionalen Beistand.“

Tamer Kirolos, Landesdirektor von Save the Children Jemen, unterstreicht die Forderungen der Kinder: „Seit drei Jahren werden jemenitische Kinder ungestraft bombardiert und ausgehungert. Tausende starben zuhause oder während sie in Krankenhäusern vergeblich auf medizinische Hilfe warteten. Das Leben von weiteren Zehntausenden steht auf dem Spiel, wenn die Gewalt nicht beendet wird. Kinder, die eben noch eine Zukunft hatten, mussten erleben, wie sich Träume in Staub auflösten und ihre Städte zu Schutt und Asche wurden.

Inzwischen ist die Hälfte aller Krankenhäuser beschädigt oder zerstört, ebenso hunderte Schulen. Fünf Millionen Kinder stehen am Rande einer Hungersnot und das Allerschlimmste: Dieses Leiden ist komplett von Menschenhand gemacht. Alles, was wir brauchen, ist der politische Wille aller Kriegsparteien, das Blutvergießen zu beenden und die Blockade vollständig zu lockern, damit humanitäre und kommerzielle Lieferungen in das Land gelangen können."

Zahlen und Fakten:
  • 22,2 Millionen Menschen, darunter 11,3 Millionen Kinder, benötigen humanitäre Hilfe. Das entspricht derzeit 76 Prozent der Gesamtbevölkerung des Jemens.
  • Über 15.000 Luftangriffe gab es seit Beginn des Konflikts.
  • Mehr als 5.000 Kinder wurden bisher durch die Kämpfe getötet oder verletzt. Das sind im Durchschnitt fünf Kinder pro Tag.
  • Selbst Kinder unter zehn Jahren wurden als Kämpfer der unterschiedlichen Kriegsparteien rekrutiert (basierend auf UN-Erhebungen). Dieser Statistik zufolge wurden seit Oktober 2016 1.698 schwere Vergehen an Kindern begangen. Insgesamt wurden 606 Fälle von Kinderrekrutierungen seit Oktober 2016 dokumentiert.
  • Menschenrechtsverletzungen dauern unvermindert an: 8.700 Zivilisten wurden bereits getötet, 50.000 verletzt.
  • Alle Kriegsparteien haben schwere Vergehen an Kindern zu verantworten.

Derzeit gehen 1,9 Millionen Kinder nicht zur Schule. Sie erhalten keine Bildung und sind verstärkt dem Risiko von Zwangsrekrutierungen oder Frühverheiratungen ausgesetzt.