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Mehr Schutz und Unterstützung für Kinder in Schweizer Asylunterkünften

Rund 40 Prozent aller Asylgesuche in der Schweiz stammen von Minderjährigen. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden setzte die Kinderrechtsorganisation Save the Children Schweiz deshalb das Pilotprojekt "Kinderfreundliche Räume" in Asylunterkünften um. Im Hinblick auf die Umsetzung der Asylgesetzrevision und der Eröffnung der neuen Bundesasylzentren ab 2019 zeigt die Auswertung dieses Projektes zum internationalen Kinderrechtstag klar: Geflüchtete Kinder benötigen mehr Schutz und Unterstützung.

20.11.2018

Die Auswertung der Schweizer Asylstatistik 2017 durch Save the Children spricht eine klare Sprache: Letztes Jahr stammten 39 Prozent der insgesamt 18'088 Asylgesuche von Minderjährigen (2016 wurden insgesamt 27'207 Asylgesuche gestellt, davon 34 Prozent von Minderjährigen). Und von diesen 7'033 Asylgesuchen wiederum stammten 64 Prozent von Kindern unter sechs Jahren (Geburten sind hier eingerechnet) sowie 36 Prozent von Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 17 Jahren. 733 der Kinder und Jugendlichen, welche ein Gesuch um Asyl stellten, waren unbegleitete minderjährige Asylsuchende, das jüngste davon vier Jahre alt. Die meisten dieser Kinder bleiben längerfristig in der Schweiz – die Schutzquote von Minderjährigen lag letztes Jahr bei 80%.
 
Kinder benötigen Unterstützung

Viele geflüchtete Kinder haben in ihrem Herkunftsland – 2017 waren dies vor allem Eritrea, Syrien, Afghanistan, Somalia und Irak – oder auf der Flucht Erschütterndes erlebt, wurden vernachlässigt oder haben Gewalt erfahren. Sie benötigen Unterstützung, um ihre oft schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Somit gehören in Schweizer Asylunterkünften Kinder zu den verletzlichsten Personen und benötigen besonderen Schutz durch geeignete Strukturen und angemessene Betreuung. Das Leben in Kollektivunterkünften ist für Kinder belastend und setzt sie Schutzrisiken wie sexuellen Übergriffen und Gewaltanwendung aus. Von grosser Bedeutung sind deshalb kinder- und jugendfreundliche Räume, in denen sie geschützt sind, von qualifiziertem Personal betreut werden, sie Stabilität erfahren und ihre Bewältigungskapazitäten gestärkt werden.
 
Kinderfreundliche Räume in drei Asylunterkünften

Im Rahmen eines Pilotprojekts betrieb die Kinderrechtsorganisation Save the Children Schweiz von September 2017 bis August 2018 in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM) und der im Asylbereich tätigen Dienstleisterin ORS (Organisation für Regie und Spezialaufträge) einen kinderfreundlichen Raum im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Bern. Bereits 2016 wurden solche kinderfreundliche Räume im EVZ in Kreuzlingen sowie im temporären kantonalen Übergangszentrum Halle 9 in Zürich-Oerlikon zusammen mit der Fachorganisation AOZ betrieben und der unterkunftsbetreibenden Organisation zur Weiterführung übergeben. Insgesamt nahmen rund 1’000 Mädchen und Jungen regelmässig an den betreuten Spiel- und Bildungsaktivitäten in Bern, Kreuzlingen und Zürich teil. Das Projekt der Kinderfreundlichen Räume wurde von IKEA Schweiz unterstützt, welche sowohl bei der Einrichtung, als auch der Finanzierung massgeblich beteiligt war. So haben beispielsweise 48 Mitarbeitende aus verschiedenen Einrichtungshäusern von IKEA die Ausstattung mehrerer kinderfreundlichen Räume umgesetzt.
 
Ömer Güven, Geschäftsführer von Save the Children Schweiz, kommentiert: «Die Auswertung unseres Programms für unbegleitete und begleitete Kinder und der dazugehörigen fachlichen Beratung zeigt, dass wir mit diesem Projekt wichtige Ziele erreicht haben. So trugen wir dazu bei, dass diese Gemeinschaftsunterkünfte kinderfreundlicher wurden, wie dies der UN-Kinderrechtsausschuss von der Schweiz verlangt. Zudem sensibilisierten wir die Mitarbeitenden in den Asylzentren durch Weiterbildungen für die spezifischen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen.»
 
Larissa Mettler, Direktorin Nationale Programme von Save the Children Schweiz erklärt: «Ein kindgerechtes, entwicklungsförderliches Angebot und ein verlässlicher Ablauf vermittelt Kindern eine gewisse Sicherheit und Normalität in einem für sie oft ungewissen Alltag. Sie erhalten Erholungsmöglichkeiten und können so psychosozialen Stress abbauen und eigene Bewältigungsmechanismen zur Stabilisierung der emotionalen Verfassung entwickeln.»
 
Ömer Güven ergänzt: «Vor allem bei Kindern im Vorschulalter ist eine spezifische Unterstützung in Form von frühkindlicher Förderung nicht nur Voraussetzung für die bestmögliche Entwicklung, sondern auch für die Senkung von Folgekosten für die Schweiz. Denn die meisten asylsuchenden Kinder bleiben längerfristig in der Schweiz, so dass eine altersgerechte Förderung bereits in den Asylzentren von grosser Bedeutung für eine gute künftige Integration und einen möglichst leichten Schuleintritt und späteren Eintritt ins Berufsleben ist.»
 
Zehn Empfehlungen zur besseren Unterstützung und dem Schutz von Flüchtlingskindern

Im Hinblick auf die Umsetzung der Asylgesetzrevision und der Eröffnung der neuen Bundesasylzentren ab 2019 sowie ausgehend von den Erkenntnissen aus dem Pilotprojekt «Kinder- und Jugendfreundliche Räume» gibt Save the Children Schweiz anlässlich des morgigen internationalen Kinderrechtstages 2018 folgende zehn Empfehlungen ab:
  1. Einführung eines regelmässigen, strukturierten und kindgerechten Betreuungsangebots in allen Bundesasylzentren.
  2. Genügende Anzahl von Betreuungspersonen pro Kind mit entsprechenden Qualifikationen.
  3. Regelmässige Weiterbildungen und Unterstützungsangebote im Bereich Kinderschutz und psychosoziale Unterstützung von Kindern und Jugendlichen für das Betreuungspersonal.
  4. Aufnahme der Anforderungen kindgerechte Unterbringung, qualitative Betreuung und Kinderschutz in der Ausschreibung für die neuen Bundesasylzentren.
  5. Regelmässiges Monitoring das sicherstellt, dass die Vorgaben des Bundes eingehalten werden.
  6. Umsetzung von auf Kinder ausgerichteter gesundheitsfördernder Massnahmen und Weiterleitung von wichtigen Informationen zur medizinischen und familiären Situation an zuständige Stellen im folgenden Wohnsitzkanton. 
  7. Orientierung am Kindeswohl, zum Beispiel durch Familienzimmer und sichere Rückzugsräume für Kinder, Jugendliche und Familien.
  8. Einführung verbindlicher Verhaltens- und Kinderschutzrichtlinien sowie eines vertraulichen Meldesystems für Vorfälle und Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung.
  9. Festlegen von altersgerechten, inklusiven und gendersensiblen Betreuungsgrundsätzen.
  10. Jährliche Erhebung und Publikation der Asylstatistik, die die Anzahl begleiteter und unbegleiteter Kinder ausweist.

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