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Blogbeitrag aus dem Jemen

Mein Name ist Claire Nicoll und ich arbeite im Team der humanitären Hilfe von Save the Children. Im vergangenen Sommer lebte und arbeitete ich im Jemen. Während meiner Zeit dort traf ich viele Kinder, Mütter und Väter, deren Geschichten mir bis heute in Erinnerung blieben. 
Claire Nicolls

04.12.2018

Hajjah, Jemen – 20. August

Heute besuchten wir eine Gesundheitsklinik im ländlichen Hajjah im Norden Jemens. Die Klinik ist klein und sehr abgeschieden. Trotzdem warteten Dutzende Familien, um den Doktor zu sehen. Im Jemen, einem Land in dem das Gesundheitssystem beinahe lahmgelegt ist, sind diese Gesundheitskliniken eine letzte Hoffnung auf Hilfe.

Dort habe ich die 18 Monate alte Leila* und ihre Mutter Rayah* getroffen. Ihre Geschichte gehört zu denen, an die ich mich bis heute erinnere. Leila leidet an schwerer akuter Mangelernährung – der tödlichsten und gefährlichsten Form von extremem Hunger. Für Kleinkinder ist sie sehr schnell tödlich, dies ist im Jemen leider zu oft der Fall.

Als die Mutter Leilas Oberteil auszog, um sie vom Doktor untersuchen zu lassen, musste ich mich zusammenreissen, um ruhig zu bleiben. Ich war schockiert, wie unglaublich dünn sie war.

"Was würden Sie tun: eines Ihrer Kinder ins Krankenhaus bringen oder mit diesem Geld die anderen mit Essen versorgen?"

Das war die Frage, die Rayah mir stellte, als ich von ihr wissen wollte, wie der Konflikt ihr Leben beeinflusste. Sie schilderte vor welche unmögliche Wahl, viele Mütter im Jemen gestellt werden. Rayah brachte Leila nicht schon früher zur Gesundheitsklinik, da die Transportkosten zu hoch waren – und sie dann kein Geld mehr gehabt hätte, um ihre anderen Kinder zu ernähren.

Ihr Mann, ein Lehrer, hat schon seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten. Die Familie ernährte sich während der letzten zwei Jahre von Brot und Tee. Manchmal gab es Tomaten als Ausnahme.
Rayah hat schon zwei ihrer Kinder verloren, eines ist verhungert, das andere starb an Krebs. Sie sagte mir, dass sie der Krebstod ihres einen Kindes weniger schmerzte, als derjenige des Kindes, das wegen Hunger starb. Denn es ging schneller und sie fühlte sich weniger verantwortlich.

Ihre Frage aber konnte ich nicht beantworten.

Eine Geschichte wie viele

An diesem Tag hörte ich viele Geschichten wie diejenige von Rayah.
Niemand von all den Menschen, mit denen ich gesprochen habe, konnte sich erinnern, im vergangenen Jahr Fisch oder Fleisch gegessen zu haben. Viele Mütter assen kaum oder verzichteten auf das Essen, nur damit ihre Kinder etwas haben. Sie selber waren fast alle sehr dünn und schwach.

Einige sagten mir, dass das Leben immer schwieriger wird. Dass der Konflikt ihnen die Möglichkeit geraubt hat, für ihre eigenen Kinder zu sorgen. Blockierte Nahrungsmittelimporte und rasant steigende Nahrungsmittelpreise zwingen sie, ihre Kinder verkümmern zu sehen – unfähig, etwas dagegen zu tun.

Save the Children hat kürzlich bekanntgegeben, dass rund 85.000 Kinder unter fünf Jahren seit Ausbruch des Krieges verhungert sind. Kinder, die verhungern, leiden starke Schmerzen, da ihre lebenswichtigen Organe langsam aufhören zu arbeiten – bis sie schlussendlich vollständig funktionsunfähig sind. Ich kann und will mir nicht vorstellen, wie viele Kinder ich getroffen habe, die zu diesen Opfern zählten, oder es bald werden.

Rayah sagte mir, dass sie grosse Träume für ihre Zukunft hatte. Doch jetzt hofft sie nur noch, dass Leila, ihr letztes lebendes Kind, ihren zweiten Geburtstag erlebt.

Gesundheitskliniken, wie diejenige, die ich besuchte, erhöhen Leilas Chancen erheblich. Und viele andere Kinder sind am Leben, weil wir diese Kliniken am Laufen erhalten. Aber die einzige Lösung, um das Elend zu beenden ist ein Ende des Krieges. Nur so können Kinder überleben. Denn jedes Kind, das an Hunger stirbt, ist eines zu viel.

*Namen geändert, um Identitäten zu schützen.
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