Bangladesch: Arbeiten im Flüchtlingslager

Daphnee Cook, Kommunikations- und Medienbeauftragte für Save the Children International arbeitete fast ein Jahr lang in Cox's Bazar, Bangladesch.
Aziz, Rohingya

20.02.2019

"Ich liebe es im kinderfreundlichen Raum zu spielen. Dort habe ich viele Freunde und die Betreuer kümmern sich um uns." Aziz (8) in Cox's Bazar

Wie es ist, Hilfe in der grössten Flurchtbewegung seit dem Völkermord in Ruanda zu leisten, erzählt uns Daphnee Cook im Interview.

Was ist Ihre Motivation, in einem so herausfordernden Kontext zu arbeiten?
Dieser Wunsch entstand, als ich im August 2017 in den Nachrichten beobachtete, wie sich die Krise zuspitzte. Ich wollte unbedingt helfen. Zuerst spendete ich Geld. Als dann diese Stelle frei wurde, schien sie wie auf mich zugeschnitten. Ich sah meine Chance, praktisch Hilfe zu leisten.
 
Wie war Ihre Reaktion, als Sie das erste Mal nach Cox's Bazar gereist sind?
Als ich die Flüchtlingslager das erste Mal besuchte, war ich überrascht wie gut alles organisiert ist. Ich war beeindruckt von der Qualität und der Reichweite der Arbeit von Save the Children. Ich musste mich aber auch an die Arbeit in diesem Kontext gewöhnen: zu Beginn arbeiteten wir sieben Tage die Woche täglich 14 Stunden. Das war herausfordernd und erschöpfend, es war aber auch inspirierend, mit all diesen internationalen und lokalen Helfern zusammenzuarbeiten.
 
Welches Bild kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Rohingyaflüchtlinge denken?
Kinder. Und das ruft gemischte Gefühle hervor. Es sind so viele Kinder in den Lagern. Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich ein solches Kind sehe, weil ich weiss wie schwierig ihr Leben ist; wie unsicher ihre Zukunft und was sie schon alles erleben und mitansehen mussten. Die Kinder selbst machen mir aber auch Hoffnung: Sie sind so positiv und begeistert, zu lernen. Sie freuen sich immer uns mit einem "Hallo, wie geht es?" zu begrüssen!
 
Was sind die grössten Bedürfnisse der Kinder?
So viele! Von Nahrungsmitteln über sauberes Trinkwasser und Toilettenanlagen bis hin zur Gesundheitsversorgung und der Unterstützung von Müttern. Kinder brauchen Orte zum Spielen und Lernen sowie psychosoziale Unterstützung, um ihre Erlebnisse verarbeiten zu können.
 
Wie schlimm war der Monsun, der ab Mai auftrat?
Auf die Ankunft des Monsuns kann man sich fast nicht vorbereiten – gerade, weil die Unterkünfte der Familien auf hügeligem und sandigem Land stehen, das von Überflutungen und Erdrutschen bedroht ist. Wir haben den Monsun in unserem gesamten Hilfsprogramm und allen Massnahmen aber von Anfang an und verstärkt ab Januar berücksichtigt. Deshalb waren wir den Umständen entsprechend gut vorbereitet. Wir haben Unterkünfte stabilisiert und Sandsäcke verteilt und vorsorglich Nahrungsmittel und Medikamente an verschiedenen Posten stationiert, um den Zugang in allen Teilen des Flüchtlingscamps gewährleisten zu können. Dank diesen Vorbereitungen konnten wir das Ausmass der Zerstörung erfreulicherweise geringer halten als angenommen und den direkt Betroffenen unmittelbar helfen.

Danke, dass Sie unsere Arbeit für die Rohingya-Flüchtlinge im vergangenen Jahr so grosszügig unterstützt haben. Wir haben bisher mehr als 600.000 Menschen mit Hilfe erreicht – darunter über 350.000 Kinder! Kinder wie Aziz.