Die zehn gefährlichsten Länder für Kinder in Konflikten

Auf Grundlage der Forschung des Osloer Friedensforschungs-Instituts und der UN-Daten zu Verbrechen gegen Kinder, die Save the Children für das Jahr 2017 analysiert hat, haben wir eine Liste der zehn gefährlichsten Länder für Kinder in Konflikten erstellt.
Kinder im Krieg

28.02.2019
Die Liste der zehn gefährlichsten Länder für Kinder in Konflikten basiert auf neun Indikatoren:
  • der Dokumentation jedes der sechs schweren Verbrechen gegen Kinder, 
  • der Konfliktintensität (gemessen an der Anzahl gemeldeter Opfer),
  • der Gesamtzahl der Kinder im Land, die in einem Konfliktgebiet leben,
  • dem Anteil der Kinder, die in einer Konfliktzone leben, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung des Landes.
Mit diesem Ansatz zeigen sich diese zehn Länder als die gefährlichsten für Kinder in Konflikten: Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Irak, Jemen, Mali, Nigeria, Somalia, Südsudan, Syrien, Zentralafrikanische Republik.

Die Länder sind hier alphabetisch geordnet, da die Qualität der verfügbaren Datensätze sich zu sehr voneinander unterscheidet, um eine Rangordnung festlegen zu können. Dennoch lässt sich sagen, dass die Demokratische Republik Kongo besonders schlecht abschneidet.

Die Belege weisen auch darauf hin, dass sich die Situation von Kindern in Somalia, in Syrien und Afghanistan verschlechtert hat. In diesen Ländern stieg im Jahr 2017 die Anzahl der bestätigten Verbrechen gegen Kinder. Die UN betrachten die Situation im Jemen als die aktuell schwerste humanitäre Krise der Welt. Durch die indirekten Folgen des dortigen Konflikts ist eine große Zahl von Kindern bereits heute schwer mangelernährt und vom Hungertod bedroht.

Hinsichtlich der von der UN bestätigten Verbrechen an Kindern, die die von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführten Koalition im Jemen begangen hat, waren die Zahlen sowohl 2017 als auch 2018 höchst umstritten: Die Anzahl der Verbrechen, die im Bericht über Kinder und bewaffnete Konflikte im Jahr 2018 aufgeführt wird, ist relativ niedrig. Als neues besonders riskantes Land für Kinder in Konflikten, das in unserem Bericht von 2018 noch nicht aufgeführt wurde, ist Mali hinzugekommen. Die Anzahl der gemeldeten Todesfälle durch Kampfhandlungen ist von 2016 auf 2017 angestiegen. Die Zahl der gemeldeten Fälle, bei denen der Zugang zu humanitärer Hilfe verweigert wurde, hat sich verdreifacht. Wir sind nicht in der Lage, alle Auswirkungen bewaffneter Konflikte auf Kinder zu erfassen, doch wir können mehr und mehr abschätzen, welch große Bürde sie darstellen.

Eiine wissenschaftliche Studie, die in The Lancet veröffentlich wurde, setzt die Daten zur Überlebensrate von Kindern in 35 afrikanischen Ländern ins Verhältnis zu Intensität, Ausmass und die Lage bewaffneter Konflikte – für den Zeitraum von 1995 bis 2015. Dabei zeigte sich: Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren lag in Konfliktgebieten um 7,7 Prozent höher als in anderen Regionen. Als am höchsten erwies sich das Risiko für Kinder unter einem Jahr, die in Gebieten mit lang andauernden Konflikten und hoher Intensität leben. Dabei waren die in der Studie dokumentierten Todesfälle auf indirekte Folgen von Konflikten zurückzuführen: darauf, dass die Konflikte die Lebensgrundlagen der Familien und wichtige Dienste wie die Gesundheitsversorgung zerstören.

Wendet man die Ergebnisse der Studie auf die aufgeführten zehn gefährlichsten Länder für Kinder in Konflikten an, lässt sich schätzen, dass dort allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als 550.000 Kinder an den Folgen von Konflikten gestorben sind – von insgesamt 870.000 Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren. Diese Schätzungen sind mit Vorsicht zu behandeln. Sie dienen der Veranschaulichung und sind aufgrund der schwierigen Datenlage womöglich deutlich zu niedrig. Dennoch zeigen diese Zahlen, dass jedes Jahr allein in zehn Ländern, in denen Konflikte herrschen, mindestens 100.000 Kinder sterben, die unter anderen Umständen überlebt hätten.