Syrien: In vier Wochen mehr Kinder gestorben als 2018

In den letzten vier Wochen sind im syrischen Idlib mehr Kinder getötet worden, als im gesamten Jahr 2018. Save the Children und seine Partnerorganisation Hurras Network haben herausgefunden, dass die jüngste Eskalation der Kämpfe am Montag das Leben von weiteren acht Kindern gekostet hat.
Syria

30.07.2019

Die Ende April einsetzende Eskalation der Gewalt hat inzwischen zum Tod von mindestens 400 Menschen geführt – darunter 90 Kinder – und 440.000 Menschen vertrieben. Save the Children und Hurras Network können bestätigen, dass seit dem 24. Juni mindestens 33 Kinder getötet wurden. Im gesamten Jahr 2018 wurden 31 Todesfälle von Kindern gemeldet.

Tödlichste Woche seit Eskalation der Kämpfe
Diese Woche war die tödlichste seit der Eskalation der Kämpfe in Nordwestsyrien – wo 3 Millionen Menschen leben. Luftangriffe und Granaten haben mehr als 66 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Noch immer werden Leichen aus den Trümmern gehoben.

Nach Angaben der Vereinten Nationen verschiedenen Erfahrungsberichten sind viele der Opfer Frauen und Kinder, einige mit den schlimmsten Verletzungen.
"Die aktuelle Situation in Idlib ist ein Albtraum. Die Verletzungen, die wir sehen, sind schrecklich. Es steht ausser Frage, dass erneut Kinder bei willkürlichen Angriffen getötet und verletzt wurden", sagte Sonia Khush, Leiterin des Hilfseinsatzes von Save the Children in Syrien.

Krieg gegen Zivilisten
"Die Bombardierung ist unerbittlich. Es scheint, als hätten die verschiedenen Seiten aufgehört, sich gegenseitig zu bekämpfen und richteten sich jetzt gegen uns Zivilisten. Das ist sinnlose Gewalt. Ich musste zusehen, wie Dutzende von Menschen auf dem Marktplatz getötet wurden – darunter auch viele Kinder, die auf der Strasse spielten. Sie hätten sicher sein müssen", sagte Ahmad, ein Augenzeuge, zu Save the Children.

Hilfsorganisationen stehen vor der Herausforderung, auf die Vertreibung in Nordwestsyrien zu reagieren. Die zivile Infrastruktur, einschliesslich Schulen und Krankenhäuser, wird weiterhin beschädigt oder zerstört. In den letzten zwei Wochen wurden mindestens vier medizinische Einrichtungen Opfer der Gewalt, ebenso eine Wasserstation für mehr als 80.000 Menschen und mehrere Schulen, Siedlungen für Vertriebene, Märkte und Bäckereien, heisst es seitens der UNO. Mindestens acht Wasseranlagen, die rund 250.000 Menschen im Süden Idlibs mit Trinkwasser versorgen, wurden in den letzten zwei Monaten angegriffen. Dies macht die Menschen besonders verwundbar, da die Sommertemperaturen steigen und Krankheiten sich schneller verbreiten.

Millionen Kinder ohne Bildung
"Die Kinder Nordwestsyriens befinden sich seit 80 Tagen ohne Pause in einem gewalttätigen Konflikt. Ihnen wurde Bildung, Nahrung, Gesundheitsversorgung seit Monaten verweigert. Zudem werden sie gezwungen, auf offenen Feldern unter den Bäumen zu schlafen", fügte Khush hinzu.
In ganz Syrien können 2,1 Millionen Kinder nicht mehr zur Schule gehen; 1,3 Millionen droht dasselbe Schicksal. Im Nordwesten wurden in letzter Zeit mindestens 44 Schulen beschädigt oder zerstört, da die Angriffe auf Bildungseinrichtungen und Personal zugenommen haben. Save the Children ruft alle Konfliktparteien auf, das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechtsnormen zu respektieren und den Schutz von Zivilisten an die erste Stelle zu setzen. Schulen, Krankenhäuser und andere wichtige zivile Infrastrukturen müssen vor Angriffen geschützt werden.

Save the Children in Syrien
Save the Children unterstützt die syrische Bevölkerung im Nordwesten des Landes durch Partnerorganisationen vor Ort. Dazu zählen der Betrieb von Kliniken zur Grundversorgung und eines Mutterschaft, die Durchführung von Impfprogrammen und Projekten zur Ernährung von Kindern sowie Bildungsprojekte und die Durchführung von Kinderschutzmassnahmen.