"Langfristig können wir vieles erreichen für die Gesundheit dieser Kinder"

Fabian Emmenegger ist PR und Kommunikationsmanager bei Save the Children Schweiz und war vor kurzem für eine Medienreise in Malawi. Im Interview berichtet er, was für ein Projekt er besucht hat und was diese Erfahrung ihm auch persönlich bedeutet.
malawi

18.10.2019

Herr Emmenegger, Sie waren in Malawi. Was haben Sie dort gemacht, was macht Save the Children dort?
Ich habe ein Gesundheitsprojekt in Schulen im Zomba und Machinga Distrikt besucht, das zum Ziel hat, Malaria bei Schulkindern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Save the Children bildet in diesem Projekt die Lehrpersonen in ausgewählten Schulen aus, damit sie selber Malariasymptome erkennen, die Krankheit diagnostizieren und auch behandeln können. Dadurch, dass wir das Projekt an Schulen durchführen, können wir direkt auf die Bedürfnisse von Kindern eingehen. So erhalten sie innerhalb von 24h eine Diagnose und können gezielt behandelt, oder je nach Zustand an ein Gesundheitszentrum weitergeleitet werden. Zudem kann man so besser kontrollieren, dass die Kinder auch wirklich in ein Gesundheitszentrum gehen und nicht einfach zuhause bleiben. Von der Durchführung der Malariaprävention an den Schulen profitiert auch die Schulbildung der Kinder: Da sie nach der Behandlung schneller wieder in die Schule können, gibt es weniger Abwesenheit und sie verpassen weniger vom Unterricht. Damit schlagen wir zwei Moskitos mit einer Klappe!

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Verknüpfung von Gesundheit und Bildung ist die bisherige Entwicklung, dass Malaria zwar bei Kindern unter fünf Jahren gut eingedämmt wurde, bei älteren Kindern aber nicht sonderlich im Fokus steht – diese leiden jedoch auch sehr unter der Krankheit. Da können wir eine wichtige Aufgabe erfüllen, indem wir gezielt in Primarschulen arbeiten.

Das klingt nach einem beeindruckenden Projekt. Was waren Ihre Eindrücke vor Ort?
Malawi ist, das muss man sich immer vor Augen halten, das drittärmste Land der Welt. Oftmals fehlt es einfach an allem.

Was mich am meisten beschäftigt hat - und das kann man sich fast nicht vorstellen - war diese sengende Hitze. So ein Schulgelände ist sehr rudimentär ausgestattet, es hat kaum Schatten, in einer Schule hat es ca. 2500 Kinder auf 40 Lehrpersonen. Diese Verhältnisse sind für uns kaum vorstellbar – und daneben der Raum, in dem Malaria behandelt wird, ist einfach so klein. Das hat mich schon sehr beschäftigt.

Sehr positiv beeindruckt war ich hingegen vom unerschöpflichen Engagement der Save the Children Leute vor Ort. Die Überzeugung und Hingabe, die sie leben, imponiert. Dieses Projekt gibt es nun seit mehr als sechs Jahren, in denen in kleinen Schritten auf dieses Ziel hingearbeitet wurde - unzählige Verhandlungen mit Bezirksverantwortlichen, mit Stammesführern, mit der Regierung, dem Gesundheitsministerium und dem Bildungsministerium - es gibt so viele Stellen, die involviert sind und verknüpft werden müssen. Trotz dieser langwierigen Arbeit sind sie immer noch sehr motiviert und können nun auch Erfolge verzeichnen. So hat uns ein Arzt aus dem Spital erzählt, dass aus der Schule, die wir besucht haben, fast keine Malariafälle mehr zu ihm kommen. In einem anderen Bezirk hat die Regierung nun begonnen, die Medikamente selber zu finanzieren. So kann das nachhaltige Ziel erreicht werden, dass Save the Children sich zurückzieht und die Regierung die Betreuung der aufgebauten Strukturen im ganzen Land übernimmt. Dies ist sehr schwierig, ist aber unser langfristiges Ziel und damit können wir sehr viel erreichen für die Gesundheit dieser Kinder.

Wie ist Ihr Fazit?
Nun, Malaria ist in Malawi in allen Teilen des Landes endemisch und somit eine der Haupttodesursachen für Kinder. Dass sich das verändert und unsere Arbeit den Betroffenen direkt hilft, hat mich hoffnungsvoll gestimmt. So wird im Zomba Distrikt zwar momentan noch alles Material von Save the Children bezahlt, doch da sich das nun ändern wird, können wir uns auf die Schulung von Lehrpersonen fokussieren, was eine weitere grosse Wirkung auf die Gesundheit der Kinder haben wird. Die Lehrerinnen und Lehrer, die ich getroffen habe, waren sehr motiviert und haben sich gefreut, dass sie den Schülern helfen können. Ich fand es unglaublich, direkt zu sehen, dass wir einen Unterschied für diese Kinder machen. Das war ein unvergessliches Erlebnis.

Was war Ihre Rolle in diesem Projektbesucht?
Wir waren für eine Medienreise mit zwei Journalisten vor Ort. Dafür habe ich mit Save the Children Mitarbeitenden aus Malawi im Vorfeld ein Programm zusammengestellt und beim Projektbesuch selber sichergestellt, dass die Journalisten einen gesamtheitlichen Blick auf das Projekt erhalten. Die Geschichte eines Kindes sollte gezeigt werden, das in die Schule kommt, sich nicht gut fühlt, untersucht wird, behandelt wird und ans Spital verwiesen wird, damit auch die Leser diesen Prozess verstehen.

Inwiefern hat sich Ihre Perspektive auf die Krankheit Malaria durch diesen Besuch verändert?
Nun ja, sehr. Mir wurde erst vor Ort bewusst, wie omnipräsent das Thema ist. Es ist die Haupttodesursache für Kinder, fast jeder hatte schon Malaria, kennt jemanden, hat Familie dadurch verloren. Das war mir vorher nicht so bewusst, für uns ist das ja nicht so prekär. Auch dass ich einfach ein Medikament nehmen kann und in Malawi so viele Menschen daran sterben finde ich schwierig. Um den Umgang mit dieser Krankheit zu ändern ist unser Projekt ein guter Anfang, eine tolle Intervention. Aber es braucht noch viel mehr gesamtheitliches Umdenken, um diese Krankheit einzudämmen.