Theater über Kinderrechte: "Jedes einzelne Kind ist über sich selbst hinausgewachsen"

Die Klassenlehrerin Marisa Dux hat ihre Schüler einer zweiten Klasse in Uster auf beeindruckende Weise an das doch eher abstrakte Thema der Kinderrechte herangeführt und gemeinsam mit ihnen die Bedeutung der Kinderrechte im Theaterstück "KIRA macht Kinder stark" erarbeitet und regelrecht erlebbar gemacht.
Marisa

11.11.2019

Liebe Marisa, wie kamst du dazu, mit deiner Klasse dieses Theaterstück zum Thema Kinderrechte aufzuführen?
Ich hatte vor ungefähr 15 Jahren ein Schlüsselerlebnis, bei dem ein Kind aus meiner ersten Klasse vor meinen Augen von seinem Vater geschlagen wurde. Ich realisierte, dass ich leider nicht wirklich viel für dieses Kind bewirken konnte, ausser es selbst zu stärken. Nach dieser frustrierenden Erfahrung begann ich, das Thema Kinderrechte in meinen Unterricht einzubauen. Doch schnell merkte ich, dass diese Thematik sehr abstrakt war und stiess auf das Theaterstück, das ich dieses Jahr zum dritten Mal aufführte.
 
Wie hast du die Klasse auf das Theater und das Thema vorbereitet?
Ich habe bereits im Vorfeld jede Woche im Klassenrat ein Kinderrecht vorgestellt und Geschichten von Kindern weltweit thematisiert. Wir diskutierten, wie sich diese Kinder fühlen und machten den Bogen zu uns in die Schweiz. Wir überlegten, was wir für Privilegien haben - wie zum Beispiel Zugang zu Bildung, aber auch welche Herausforderungen schon Kinder im Primarschulalter spüren, zum Beispiel wie Kinder mit der Trennung der Eltern oder mit Leistungsdruck umgehen.
 
Hast du den Schülern vorgegeben, wie das Theater ablaufen soll?
Ich verteilte das Skript an alle Kinder mit dem Auftrag, es zu lesen und anzustreichen, was sie besonders interessiert. Danach führte ich mit jedem Kind ein Einzelgespräch um sicherzugehen, dass sie verstehen, worum es bei ihren ausgesuchten Passagen geht. Die Kinder durften den Text so übernehmen oder mit eigenen Worten abändern. Dann haben wir zusammen geprobt, gelernt Emotionen auszudrücken und auch das Bühnenbild laufend gemeinsam gestaltet.
 
Wie waren die Reaktionen der Eltern, die dann das fertige Theater gesehen haben?
Die Eltern waren perplex. Sie wussten nur, dass wir ein Projekt zum Thema Kinderrechte durchführten. Viele hätten ihren Kindern niemals zugetraut, ein Theater in solcher Tiefe zu spielen und waren sehr berührt. Und nicht wenige sagten mir, es sei wie ein Spiegel – ein Augenöffner – für sie.
 
Wie haben das Theater und das gesamte Projekt die Kinder deiner Klasse beeinflusst?
Meine Schüler machen sich seither bei Streitereien gegenseitig auf Kinderrechte aus dem Theater aufmerksam. Eltern erzählen mir, dass zu Hause viele Diskussionen entstanden. Im Schulalltag sehe ich zudem, dass viele Kinder ihr Selbstvertrauen stärken konnten, und ich versuche, mit dieser positiven Energie und Motivation ihre Schwächen zu stärken.
 
Würdest du ein solches Projekt anderen Lehrkräften weiterempfehlen?
Auf jeden Fall! Die Kinderrechte sind nicht prioritär im Lehrplan verankert, was Eigeninitiative von Lehrkräften und Schulleitungen verlangt, um das Thema einzubauen. Doch ich bin überzeugt, dass wir die Kinder so stärken können und sehe jeden Tag, was ich bei den Kindern meiner Klasse und auch bei den Eltern bewirken konnte.