Menschenhandel in Europa: Jedes fünfte Opfer ist jünger als 15

Ein neuer Bericht von Save the Children zeigt erschreckende Zahlen: Rund ein Viertel der verdächtigen oder identifizierten Opfer von Menschenhandel in Europa sind Kinder.
Nigeria

29.07.2019

Rund ein Viertel der verdächtigen oder identifizierten Opfer von Menschenhandel in Europa sind Kinder und das Hauptziel von Menschenhändlern ist die sexuelle Ausbeutung. Dies zeigt ein Bericht von Save the Children, der anlässlich des heutigen internationalen Tag gegen Menschenschmuggel veröffentlicht wurde. Von den 20'500 Opfern, die in den Jahren 2015-16 in der Europäischen Union registriert wurden, betrafen 56 Prozent der Fälle den Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, während 26 Prozent der Fälle mit der Ausbeutung von Arbeitskräften zusammenhängen. Jedes vierte Opfer ist unter 18 Jahren alt und zwei von drei Opfern sind Frauen oder Mädchen.

Schätzungsweise 1'660 Opfer des Menschenhandels leben in Italien, wobei die Zahl der minderjährigen Opfer innerhalb eines Jahres von 9 auf 13 Prozent gestiegen ist. Der wachsende Trend wurde auch durch die Bewertung der Betreiber unseres Projektes Vie d'Uscita - Exit Routes bestätigt, das 2018 in fünf Regionen 2'210 Opfer von Kinderhandel abgefangen hat, die entweder minderjährig oder knapp über 18 Jahre alt waren. Diese Zahl stieg um 58%, verglichen mit 1.396 Opfern, die 2017 geschätzt wurden.

Sexuelle Ausbeutung betrifft fast 90 Prozent der Fälle
Obwohl diese Daten nur die Oberfläche eines meist verborgenen Problems darstellen, wurden das immer jüngere Alter der Opfer und die Prävalenz der sexuellen Ausbeutung auch durch 74 neue Fälle von Kindern im Land bestätigt. Diese haben es geschafft, 2018 aus dem Ausbeutungssystem auszusteigen und werden derzeit von institutionellen Schutzprogrammen betreut. Jedes fünfte Opfer ist jünger als 15 Jahre, und die sexuelle Ausbeutung betrifft fast 9 von 10 Fälle.

Obwohl dies nicht das Hauptziel des Systems des Menschenhandels ist, nimmt auch die Ausbeutung der Arbeitskräfte in Italien zu. Im Jahr 2018 wurden 263 minderjährige Opfer gestellt, darunter sowohl italienische als auch ausländische Kinder.  

Projekt "Vie d'Uscita"
Um ausländische Minderjährige zu unterstützen, die von kriminellen Organisationen und Netzwerken in Herkunftsländern rekrutiert wurden und im italienischen Prostitutionskreis ausgebeutet werden sollen, führt Save the Children seit 2012 das Projekt "Vie d'Uscita" (Auswege) durch. Im Jahr 2018 unterstützte Vie d'Uscita die Betreuung von 32 Einzelfällen zur Autonomie für Opfer, die dem Ausbeutungssystem entkommen sind.

Im Rahmen des Projekts entwickeln wir kontinuierlich neue Wege, um mit den Betroffenen in Kontakt zu treten und ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufzubauen. Dies ist insbesondere dann notwendig, wenn die Betroffenen auf weniger sichtbare Rundgänge umgeleitet werden oder immer häufiger von einer Stadt in eine andere oder sogar in ein anderes europäisches Land verlegt werden, um sie unauffindbar zu machen. Zudem erarbeiten wir Möglichkeiten der sozialen Integration nach der Rettung, um die Betroffenen weiterhin zu betreuen.

Save the Children in Italien
Save the Children ist mit seinen Programmen in den Hauptanlegeplätzen an der südlichen Grenze Italiens präsent, in großen Ankunfts- und Transitstädten wie Catania, Rom, Mailand und Turin und an den wichtigsten Landgrenzübergängen im Norden des Landes. Wir bieten unbegleiteten ausländischen Minderjährigen in Italien Unterstützung und Schutz zeigen ihnen ihre Möglichkeiten der sozialen Integration auf.