Rohingya-Krise: Wo bleibt die Gerechtigkeit?

Auch zwei Jahre nachdem mehr als eine Million Rohingya aus ihrer Heimat Myanmar ins benachbarte Bangladesch fliehen mussten, ist die Situation im grössten Flüchtlingslager der Welt für viele Kinder dramatisch.
Fatima in Bangladesch

17.09.2019

Fatima* ist 13 Jahre alt und vor zwei Jahren vor der Gewalt in Myanmar nach Bangladesch geflohen. Als sie in Cox’s Bazar ankam, hatte sie nichts. Jetzt lebt sie mit ihren Eltern, ihren beiden Schwestern und dem Grossvater im grössten Flüchtlingscamp der Welt. Sie musste Dinge erleben, die die meisten Kinder in ihrem Alter glücklicherweise nie erleben müssen. Fatima* weiss, wie wichtig die Schule ist. Sie möchte Lehrerin werden und Mädchen unterrichten.

Fatima* wünscht sich eine Zukunft – genau wie hunderttausende Rohingya-Kinder, die ihre Heimat verlassen mussten. Doch zwei Jahre nach der grossen Krise sind die Lebensbedingungen dieser Kinder immer noch schlecht. Sie haben wenig Hoffnung und die Menschen, die für die Krise verantwortlich sind, wurden noch nicht zur Rechenschaft gezogen.

Vergewaltigung, Folter und Mord
In Cox’s Bazar hat Save the Children mit Kindern gesprochen, die Zeugen von Vergewaltigungen, Folter und Mord wurden oder selbst vergewaltigt und gefoltert wurden. Sie konnten nach Bangladesch entkommen, doch hier stehen Kinder wie Fatima* vor neuen Herausforderungen. Die Unterkünfte, in denen sie leben, bestehen aus Bambus und Plastik und können extremen Wetterbedingungen nicht standhalten. Jedes 10. Kind ist mangelernährt. Schon beim Wasserholen in der Dämmerung oder beim Gang zur Toilette sind die Kinder grossen Gefahren ausgesetzt, weil die Camps schlecht beleuchtet und wenig gesichert sind. Sie fürchten sich vor Menschenhandel, Drogen und Gewalt.

Keine Lösung in Sicht
Nicht nur die geflüchteten Rohingya brauchen unsere Hilfe. Auch die Gemeinden in Bangladesch, die vor zwei Jahren über eine Million geflüchtete Menschen aufgenommen haben, stehen vor grossen Herausforderungen. Es gibt zu wenig Ärzt*innen, das Gesundheitssystem ist vollkommen überlastet und die Ressentiments nehmen zu. Auch diese Kinder stehen vor einer ungewissen Zukunft. Eine Perspektive wurde in den letzten zwei Jahren noch nicht gefunden. Die Aussichten auf eine sichere Rückkehr nach Myanmar ist gering. Kein Drittland hat bisher die Aufnahme von Flüchtlingen angeboten und auch innerhalb Bangladeschs können die geflüchteten Rohingya nicht auf eine geordnete Umsiedlung oder Verteilung hoffen.

Viele sagen, die Rohingya-Kinder seien eine verlorene Generation. Aber sie sind nicht verloren, wir müssen sie nicht erst finden. Wir wissen genau, wo sie sind und was sie brauchen! Sie brauchen jetzt unsere Unterstützung, damit sie lernen können, sicher und gesund aufwachsen und Gerechtigkeit erfahren.

- David Skinner, Leiter von Save the Children in Cox's Bazar.

61 NGOs fordern Anerkennung der Menschenrechte
In einer veröffentlichten gemeinsamen Erklärung forderten 61 lokale, nationale und internationale NGOs, die in den beiden Ländern tätig sind, die Anerkennung der Menschenrechte für alle Rohingya im Staat Rakhine und die Beteiligung der Rohingya-Flüchtlinge an der Entscheidungsfindung über ihr eigenes Leben, einschliesslich der Bedingungen für ihre Rückkehr nach Myanmar.

Die NGOs äusserten grosse Besorgnis über die Sicherheit der betroffenen Familien im Bundesstaat Rakhine, einschliesslich Rohingya, da der Konflikt eskaliert und der humanitäre Zugang begrenzt ist. Sie forderten die Regierungen von Bangladesch und Myanmar nachdrücklich auf, dafür zu sorgen, dass jeder Rückkehrprozess sicher, freiwillig und würdevoll verläuft, da diese Woche die Nachricht von der möglichen beschleunigten Rückführung von 3.450 Rohingya-Flüchtlingen in Umlauf gebracht wurde.