Syrien: Verzweifelte Lage nach Truppeneinmarsch

Die aktuelle Lage in Nordsyrien ist besorgniserregend. Save the Children fordert: Zivilisten müssen geschützt werden und dürfen kein Spielball von machtpolitischen Bestrebungen sein!

11.10.2019

Mit grosser Sorge beobachten wir aktuell die Lage in Nordsyrien: Seit Beginn der militärischen Offensive am Mittwoch haben sich tausende Familien auf die Flucht begeben. Viele kennen das Grauen des Krieges leider schon zu gut und fliehen nicht zum ersten Mal. Auch bei den jüngsten Angriffen sind bereits mehrere Menschen getötet worden – darunter zwei Kinder. Einmal mehr zeigt sich, dass Bomben nicht zwischen Kindern und Kämpfern unterscheiden.

Save the Children appelliert an alle Konfliktparteien, alles zu tun, damit Kinder geschützt werden. Das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechtsnormen müssen respektiert und den Schutz von Zivilisten an die erste Stelle gesetzt werden. Es ist ein Muss, Schulen, Krankenhäuser und andere wichtige zivile Infrastrukturen vor Angriffen zu schützen!

Save the Children in Syrien

Save the Children unterstützt die syrische Bevölkerung im Nordwesten des Landes durch Partnerorganisationen vor Ort. Dazu zählen der Betrieb von Kliniken zur Grundversorgung und einer Mutterschaft, die Durchführung von Impfprogrammen und Projekten zur Ernährung von Kindern sowie Bildungsprojekte und die Durchführung von Kinderschutzmassnahmen.

Warnung vor Massenvertreibungen von Kindern

Save the Children warnt vor einer drohenden humanitären Katastrophe in Nordostsyrien, wo Familien und Kinder bereits vor den Feindseligkeiten geflohen sind und bereitet sich auf eine Ausweitung ihrer Hilfsmaßnahmen vor, die seit 2014 kontinuierlich sind.

"Während die Feindseligkeiten weitgehend auf Grenzgebiete beschränkt waren, sah ich Familien, die aus Grossstädten in Richtung Vorort zogen, weiter außerhalb der Grenzgebiete. Die Menschen haben Angst und können das Ausmass der militärischen Operationen nicht vorhersagen", sagte Jiwan, ein Mitarbeiter von Save the Children im Nordosten.

"Die Städte und Gemeinden, in denen wir leben, sind zwar ruhig, aber es herrscht eine gewisse Spannung in der Bevölkerung, da die Menschen sich nicht sicher sind, was als nächstes passieren wird. Wir hoffen für uns und die Kinder, dass sich der Konflikt nicht auf andere Großstädte ausdehnt", fügte er hinzu.

"Die Berichte über zivile Todesfälle, darunter die von zwei Kindern und mehreren weiteren Verletzten, sind verheerend. Im Nordosten Syriens leben Menschen, die mit den Schrecken des Krieges nur allzu vertraut sind. Viele wurden bereits mehr als einmal vertrieben. Wie oft haben wir diese Szenen von Frauen und Kindern mit ihren auf dem Rücken gebündelten Sachen gesehen, die auf der Suche nach Sicherheit ihr Zuhause verlassen und flüchten? Da der Winter vor der Tür steht, werden sie auf der Suche nach einer Unterkunft vor zusätzliche Herausforderungen gestellt. Sie wünschen sich nichts anderes, als ihre Kinder in Sicherheit zu bringen", erklärt Jiwan von Save the Children die Situation der Kinder und Familien.

Herausforderungen in den bestehenden Flüchtlingslagern in der Region

Neben den syrischen Zivilisten im Nordosten leben Tausende von Frauen und Kindern in Lagern in der gesamten Region. In drei der Lager leben syrische und irakische Familien und mehr als 9.000 ausländische Kinder mit wahrgenommenen Verbindungen zu ISIS von mehr als 40 Nationalitäten, die ausschließlich auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Bislang werden die Lager weiterhin betrieben. Doch jede Störung der Hilfsdienste gefährdet das Leben von fast 90.000 Einwohnern in den drei Lagern.