Schweiz: Kinderfreundliche Räume

Jedes dritte Asylgesuch in der Schweiz stammt von einem Kind. Diese Kinder brauchen Unterstützung und Schutz, um ihre oft schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten und um für einmal einfach wieder Kinder sein zu können. Deshalb betreiben wir in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden kinderfreundliche Räume in Asylunterkünften. Im Rahmen des Programms kinderfreundliche Räume bieten wir zudem eine Weitebildung in der psychosozialen Unterstützung von verletzlichen Kindern an.
2016 beantragten über 9 000 Kinder in der Schweiz Asyl. Afghanistan, Irak, Syrien und andere Konflikt- sowie Krisengebiete gehören zu den Hauptherkunftsländern dieser Kinder. Viele von ihnen wurden in ihren Heimatländern oder auf der Flucht Opfer von Gewalt und Missbrauch. Sie brauchen möglichst schnell Unterstützung, um ihre Erlebnisse spielerisch oder kreativ zu verarbeiten.

Zu diesem Zweck betreiben wir in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM) und der Fachorganisation AOZ im Rahmen eines Pilotprojekts sogenannte kinderfreundliche Räume in Schweizer Asylunterkünften. 2016 haben wir die ersten kinderfreundlichen Räume im Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen (TG) sowie im Übergangszentrum Halle 9 in Oerlikon (ZH) eröffnet.

Kinderfreundliche Räume sind ein weltweit erprobtes und anerkanntes Programm zur professionellen Betreuung von Kindern, die während und nach Krisensituationen in Flüchtlingslagern, Asylzentren oder anderen Notunterkünften leben. Kinderfreundliche Räume bieten den Kindern in solchen Situationen einen sicheren Rückzugsort. Sie werden durch altersgerechte Spiel- und Entwicklungsaktivitäten sowie durch psychosoziale Unterstützung in ihren Bewältigungsmechanismen gestärkt. In den kinderfreundlichen Räumen erfahren sie endlich wieder eine gewisse Normalität und Stabilität.

Das Personal in den kinderfreundlichen Räumen ist im Kinderschutz und in der Betreuung verletzlicher Kinder speziell geschult und verfügt über interkulturelle Kompetenzen. Die Kinder werden auf spielerische Weise sozial und kognitiv gefördert. Das ist besonders wichtig, damit sie den Anschluss an ihre Bildung nicht verlieren: Viele von ihnen waren während Monaten oder Jahren auf der Flucht und haben seit Langem keine Schule mehr besucht.

Bis 2018 zielen wir darauf ab, vier bis fünf kinderfreundliche Räume in Schweizer Asylunterkünften zu betreiben: Wir stellen den operativen Betrieb sowie die Schulung des Personals sicher und richten die Räume mit Möbeln und altersgerechten Spielsachen ein.

Daneben wollen wir Behörden, betreibende Organisationen und weitere Partner in der Betreuung von Flüchtlingskindern unterstützen sowie Standards für den Umgang mit asylsuchenden Kindern und für den Kinderschutz etablieren. Denn im Jahr 2016 belief sich die Schutzquote – das heisst der Anteil von Kindern, die in der Schweiz bleiben – auf 73 % aller Kinder im Alter von 0-17 Jahren. Und wir entsprechen so ebenfalls den Forderungen des UN-Kinderrechtsausschusses, der die Umsetzung der Kinderrechtskonvention in der Schweiz überwacht. Nach seiner letzten Überprüfung 2015 forderte der Ausschuss, dass Schweizer Asylunterkünfte kindgerechter werden.