Schweiz: Kinder- und Jugendfreundliche Räume

Kinder sind während und nach der Flucht besonders schutzbedürftig. Viele haben Schreckliches gesehen oder wurden selber Opfer von Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung. Um ihre Erlebnisse bewältigen zu können, brauchen sie Schutz, Unterstützung und eine Betreuung, die auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist. Um dies zu ermöglichen, engagiert sich Save the Children für eine qualitative hochstehende, entwicklungsförderliche Betreuung und eine kindgerechte, sichere Unterbringung von Kindern und minderjährigen Jugendlichen in Schweizer Asylunterkünften.

Das Pilotprojekt Kinder- und Jugendfreundliche Räume

41% aller Asylgesuche in der Schweiz stammten 2018 von einem Kind. Mehr als ein Viertel dieser asylsuchenden Mädchen und Jungen war unter sechs Jahre alt (inkl. Geburten). Die Schutzquote aller Kinder lag bei 85%, d.h. mehr als acht von zehn Kindern erhielten ein Bleiberecht in der Schweiz. Je früher diese Kinder Unterstützung erhalten, desto besser gelingt ihr Übertritt in die Schule und Gesellschaft.

Save the Children Schweiz hat deshalb in Zusammenarbeit mit der zentrumsbetreibenden Organisation AOZ und dem Staatssekretariat für Migration (SEM) im Jahr 2016 das Pilotprojekt Kinderfreundliche Räume in Schweizer Asylunterkünften gestartet. Nach den ersten positiven Erfahrungen im Übergangszentrum Halle 9 in Zürich-Oerlikon, wurde ab September 2016 ein zweiter Standort im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Kreuzlingen (TG) eröffnet. Im September 2017 wurde im Empfangs- und Verfahrenszentrum Bern der dritte und vorläufig letzte Projektstandort in Betrieb genommen, wiederum in Kooperation mit dem SEM und dem neuen Projektpartner ORS. Dabei wurde das Programm um einen jugendfreundlichen Raum erweitert.

Was sind Kinder- und Jugendfreundliche Räume

Kinder- und Jugendfreundliche Räume sind ein international erprobtes und evaluiertes Programm zur professionellen Unterstützung und Schutz von Kindern und minderjährigen Jugendlichen, die während und nach Krisensituationen in Gemeinschaftsunterkünften leben. Das Programm findet weltweite Anwendung, etwa in Notunterkünften nach Naturkatastrophen, in Flüchtlingslagern in Herkunfts- oder Transitländern oder in Asylunterkünften in Ankunftsländern. Wie unterschiedlich die Lebensumstände der Kinder auch sind, eins haben sie gemeinsam: Ausgelöst durch eine Krise befinden sie sich in einer destabilisierenden Situation.
 
Das Save the Children Programm Kinder- und Jugendfreundliche Räume bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und trägt zur Stärkung ihrer Bewältigungsmechanismen bei. Ein sicherer Ort, altersgerechte Aktivitäten, entwicklungsfördernde Anregungen und klare Strukturen erlauben den Kindern, ein Stück Normalität und Sicherheit zurück zu erlangen und bieten ihnen Orientierung und Stabilität. Die Mitarbeitenden in den Kinder- und Jugendfreundlichen Räumen sind im Kinderschutz und in der Betreuung verletzlicher Kinder speziell geschult und verfügen über interkulturelle Kompetenzen.

Erfolgreiche Übergabe und nachhaltige Stärkung
 
Ende August 2018 schloss Save the Children das Pilotprojekt erfolgreich ab. Insgesamt konnten über 1000 geflüchtete Mädchen und Jungen erreicht werden, die an bis zu fünf Tagen pro Woche von einem altersgerechten professionellen Betreuungsangebot profitieren konnten. Während der Projektlaufzeit trug Save the Children die Hauptverantwortung für die operative Umsetzung des Programms und richtete die Räume kindgerecht ein. Die Mitarbeitenden wurden von Save the Children in der psychosozialen Betreuung von Kindern und im Kinderschutz während jeweils zwölf Monaten weitergebildet, so dass sie das Programm seit der Projektübergabe in Eigenregie weiterführen können.
 
Die Rückmeldungen zeigen, dass die Kinder- und Jugendfreundlichen Räume aber noch mehr bewirken: bunte, fröhlich gestaltete Räumlichkeiten, unbeschwerte Momente und die Gewissheit, dass die Kinder gut betreut sind, wirken sich positiv auf die Zentrumsatmosphäre aus. 
  
Nebst der Gewährleistung einer professionellen Betreuung verfolgte das Programm aber noch weitere Ziele: Das Konzept der psychosozialen Betreuung sollte in der Praxis an die Zentrumsmitarbeitenden weitergegeben und so nachhaltig verankert werden. Dabei wurde ein Betreuungsmodell entwickelt, das seit Ende der Pilotphase selbständig durch die zentrumsbetreibenden Organisationen AOZ und ORS umgesetzt wird und auch in weiteren Schweizer Asylunterkünften anwendbar ist. So können zukünftig noch mehr geflüchtete Kinder in der Schweiz vom Engagement von Save the Children und einer kindgerechten Betreuung profitieren. Mithilfe dieser Aktivitäten trägt Save the Children dazu bei, langfristig die Betreuungs- und Unterbringungssituation aller Flüchtlingskinder in der Schweiz zu verbessern, ihre Ressourcen so früh wie möglich zu stärken und ihre Entwicklung und Integration zu fördern.

Unterstützungsangebote für Asylunterkünfte, Behörden und Entscheidungsträger

In den Bereichen frühe Förderung, Betreuung, Unterbringung und Schutz von geflüchteten Kindern und Jugendlichen verfügt Save the Children über eine erprobte Fachexpertise und Praxiswissen. Diese setzen wir auch nach Abschluss unseres Pilotprojekts schweizweit für die Verankerung von Qualitätsstandards bei der Betreuung, Unterbringung und dem Schutz geflüchteter Kinder ein.
Wir bieten gezielte fachliche Beratung, praxisnahe Weiterbildungen und Instrumente für Behörden, Partnerorganisationen und Betreuungspersonen. Denn nach wie vor besteht in vielen Gemeinden und Kantonen ein dringender Verbesserungsbedarf bei der Unterstützung verletzlicher Kinder.

Gerne informieren wir Sie näher über unser Dienstleistungsangebot