10 Tipps für Erwachsene

Kinder müssen die erschütternden Berichte und Bilder zu Krisen und Katastrophen emotional verarbeiten. Unsere Tipps zeigen auf, wie Sie Kindern helfen können, mit Krisen- und Katstrophensituationen umzugehen.
Syrian refugee children in Iraq
Die Medien verbreiten Bilder und Berichte einer Krise weltweit und verstören Kinder damit nicht nur im unmittelbaren Umkreis des Geschehens. Kinder wenden sich auf der Suche nach Erklärungen für die erschütternden Bilder oft mit schwierigen Fragen an Erwachsene: Wird alles wieder gut? Warum ist das passiert? Wie geht es den Kindern vor Ort?

Die Beantwortung dieser Fragen ist nicht einfach. Unsere jahrelange Erfahrung mit Krisen- und Katastrophensituationen erlaubt es uns, eine Liste mit Tipps für Erwachsene zusammenzustellen. Die Relevanz der einzelnen Punkte variiert aufgrund des Alters, der Erfahrungen und der konkreten Lebensumwelt von Kindern.

1. Begrenzen Sie den Medienkonsum

Während es für Erwachsene wichtig ist, informiert zu bleiben, können Bilder und Textnachrichten für Kinder verwirrend und beängstigend sein. Insbesondere jüngere Kinder können von Bildreportagen, z.B. im Fernsehen, überfordert sein. Sie verstehen nicht, dass Bilder und Berichte eines Ereignisses ständig wiederholt werden. Sie nehmen diese Wiederholung als immer neu stattfindende Katastrophen wahr. Darum sollten die Mediennutzungszeiten für Kinder begrenzt werden.

2. Hören Sie Kindern geduldig und genau zu


Bevor Sie Kindern antworten, sollten Sie sich zunächst ein möglichst genaues Bild davon machen, was die Kinder verstanden haben und was zu ihren Fragen führt. Emotionaler Stress entsteht u.a., wenn sich Kinder gefährliche Erlebnisse nicht erklären können. Finden Sie heraus, was das Kind von dem Geschehenen verstanden hat. Das Wissen des Kindes ist durch Alter und Vorerfahrungen in ähnlichen Krisen- und Katastrophensituationen bestimmt. Beginnen Sie den Dialog damit, den Kindern ein altersentsprechendes Grundverständnis zu vermitteln, das die zugrunde liegende Besorgnis anspricht.

3. Geben Sie Kindern Sicherheit und psychologische Erste Hilfe

Versichern Sie Kindern, dass alles getan wird, um diejenigen Menschen zu schützen, die direkt von der Krise oder Katastrophe betroffen sind. Nutzen Sie diese Möglichkeit auch ihnen zu sagen, dass es Ihr wichtigstes Anliegen ist, sie im Fall einer Krise oder Katastrophe zu beschützen. Versichern sie den Mädchen und Jungen, dass ihre Sicherheit für Sie an erster Stelle steht.

4. Beobachten Sie genau: verfolgen Sie auffällige Veränderungen

Eltern sollten auffällige Veränderungen z.B. im Schlaf- und Essverhalten, in der Konzentrationsfähigkeit, grosse Gefühlsschwankungen und Klagen über Schmerzen aufmerksam beobachten. Veränderungen sollten in kurzer Zeit wieder abklingen. Wenn diese Veränderungen allerdings über einen längeren Zeitraum zu beobachten sind, empfehlen wir, professionelle Hilfe und Beratung zu suchen. Das gilt insbesondere, wenn Kinder in der Katastrophe eine geliebte Person verloren haben. Die Hilfe sollte jedoch nicht allein für das betroffene Kind gesucht werden, sondern für die gesamte Familie. Denn auch andere Kinder der Familie können durch Bilder und Reportagen betroffen sein. In diesem Fall kann Beratung geeignet sein, präventiv zu wirken.

5. Erwarten Sie das Unerwartete

Jedes Kind nimmt die Krisen- und Katastrophenereignisse anders wahr, denn Kinder entwickeln ihre körperlichen, geistigen und emotionalen Fähigkeiten unterschiedlich. Jüngere Kinder werden stark von den Interpretationen ihrer Eltern und anderen Erwachsenen abhängig sein, während ältere Kinder und Jugendliche ihre Informationen aus verschiedenen Medien beziehen. Allerdings sind nicht alle Informationen verlässlich. Eltern, Lehrer und Erzieherinnen müssen darum berücksichtigen, dass Jugendliche auch durch unzuverlässige Informationen stark betroffen sein können. Obwohl Jugendlichen mehr eigene Fähigkeiten zur Überwindung von Krisen und Katastrophen zugetraut werden, benötigen auch sie besondere Aufmerksamkeit, Zuwendung, Verständnis und Hilfe bei ihrer Verarbeitung.

6. Reservieren Sie mehr Zeit und Aufmerksamkeit für Kinder

Kinder brauchen eine enge persönliche Einbindung um wahrzunehmen, dass sie sicher und geborgen sind. Sprechen und spielen Sie mit ihnen. Das Wichtigste aber ist: Hören Sie ihnen zu! Sie sollten unbedingt Zeit finden, besondere Aktivitäten mit Kindern jeden Alters zu unternehmen. Lesen Sie ihnen Gutenachtgeschichten vor oder singen Sie Schlaflieder, um jüngeren Kindern das Einschlafen zu erleichtern.

7. Seien Sie Vorbild

Kinder lernen am Vorbild von Erwachsenen mit Krisen- und Katastrophensituationen umzugehen. Offenbaren Sie ihre eigenen Gefühle je nach Alter und Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes. Erklären Sie Ihre Gefühle ruhig und bedacht.

8. Beachten Sie Ihr eigenes Verhalten

Zeigen Sie Ihr Mitgefühl mit den betroffenen Menschen in der Katastrophe. Damit bringen Sie Ihren Kindern nahe, wie wichtig es ist, anderen zu helfen.

9. Kehren Sie zur Normalität zurück

Kinder profitieren von einem klaren zielorientierten Handeln und von Gemeinschaftsaktivitäten. Stellen Sie darum sicher, dass die Schulumwelt Ihrer Kinder keine unangemessen grossen zeitlichen Spielräume für Diskussionen der Katastrophe vorsieht, sondern zum normalen Schulalltag zurückkehrt.

10. Ermutigen Sie Kinder Hilfe zu leisten

Anderen zu helfen kann Kindern ein Gefühl von Kontrolle, Sicherheit und Mitgefühl vermitteln. In einer akuten Krise können Jugendliche und Erwachsene sogar als Agenten positiver Veränderungen wirken. Ermutigen Sie ihre Kinder lokale Hilfsaktivitäten für benachteiligte Kinder zu unterstützen.